KÜNSTLERISCHE SZENARIEN DER ENERGIE


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Prof. Dr. Erika Fischer-Lichte | Prof. Dr. Christian Kassung | Prof. Rolf Elberfeld

Samstag, 13.11.2010 | 17.00 Uhr | SAAL
(Konferenzeintritt: 8/5 €)

Die Rede von der Energie trifft in künstlerischen Kontexten schnell auf Definitions- und Theoretisierungsprobleme. Im Gegensatz zu den Naturwissenschaften können die beim Gesang, beim Malakt oder bei einer Aufführung beteiligten Energien nur schwer differenziert und kaum gemessen werden. Und doch werden sie, wie der Künstler zu Recht bemerkte, von jedem Betrachter unmittelbar gespürt, ja er wird sogar – ob unwillkürlich oder bewusst – auf das jeweilige Energieniveau seines Gegenüber mit Aufmerksamkeit, Spannung, Unwohlsein oder Langeweile reagieren.

Die Frage nach der Energie zielt in den Kern der Kunst- und Kulturwissenschaften. Auf der einen Seite umfasst sie das Problem der Beschreibung und Analyse ästhetischer Erfahrungen, die hier vor allem Erfahrungen körperlicher Art sind. Wie lässt sich etwas versprachlichen und theoretisieren, das zwar bemerkt, aber nicht gewogen, gezählt oder fotografiert werden kann? Darüber hinaus verweist sie auf die technischen, habituellen und ökonomischen Parameter, die allen künstlerischen Produktionsvorgängen innewohnen. Der Zusammenhang von Energie und Theater wird deshalb aus drei Perspektiven beleuchtet: der Wahrnehmung, Transformation und Übertragung von Energie in künstlerischen Prozessen.

Prof. Dr. Erika Fischer-Lichte ist seit 1996 Professorin für Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Gastprofessuren in den USA, Russland, China, Japan und Indien. Sprecherin des Graduiertenkollegs „InterArt“ sowie des Sonderforschungsbereichs „Kulturen des Performativen“, Teilprojektleiterin in den Sonderforschungsbereichen „Ästhetische Erfahrung“, Leiterin des 2008 gegründeten BMBF-Forschungskollegs „Verflechtungen von Theaterkulturen“. Mitglied der Academia Europaea, der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Jüngste Veröffentlichungen: Global Ibsen. Performing multiple Modernities (Hg., 2010); Theaterwissenschaft. Eine Einführung in die Grundlagen des Fachs (2010); The Transformative Power of Performance: A New Aesthetics (2008, Übers. der Ästhetik des Performativen (2004), polnisch, slowenisch 2008); Antike Tragödie heute (Hg., 2007).

Prof. Dr. Christian Kassung ist seit 2006 Professor für Kulturtechniken und Wissensgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er wurde nach seinem Studium der Germanistik und Physik 1999 mit einer Dissertation über Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ im Diskurs der modernen Physik an der Universität zu Köln promoviert. Mit einer Arbeit über die Wissensgeschichte des Pendels habilitierte er sich 2007 für das Fach Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Kassung ist Mitglied des „Hermann von Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik“, war von 2007 bis 2010 Studiendekan der Philosophischen Fakultät III und ist seit 2009 Mitglied der Taskforce Exzellenzinitative.

Prof. Rolf Elberfeld, ist Professor für Philosophie an der Universität Hildesheim, nach dem Studium der Philosophie, Religionsgeschichte, Japanologie und Sinologie 1995 Promotion und 2002 Habilitation in Philosophie; Forschungen u. a. zur chinesischen und japanischen Philosophie und interkulturellen Ästhetik. Publikationen u. a.: Kitaro Nishida (1870–1945). Das Verstehen der Kulturen. Moderne japanische Philosophie und die Frage nach der Interkulturalität (1999); Denkansätze zur buddhistischen Philosophie in China. Seng Zhao – Jizang – Fazang zwischen Interpretation und Übersetzung, Rolf Elberfeld, Michael Leibold, Mathias Obert (2000); Phänomenologie der Zeit im Buddhismus. Methoden interkulturellen Philosophierens (2004).