ENTROPIA

Festival zu Entropie in Performance und Wissenschaft
im Wissenschaftsjahr Energie

Irgendwo steht geschrieben, man müsse nur das Märchen von Hans im Glück begreifen, um die Sache mit der Entropie zu verstehen. Tauschen, gehen, denken, lieben – allen Prozessen gemeinsam ist die Verschwendung von Energie. Denn jede Verwertung von Energie bedeutet gleichzeitig ihre Entwertung – Entropie.

Die erstmals im 19. Jahrhundert formulierte Erkenntnis, dass jede Verwertung von Energie zugleich deren Entwertung bedeutet und die Welt trotz aller Stabilität ihrem energetischen Ende zustrebt, hat von Beginn an eine apokalyptische Faszinationskraft entfaltet, die vom „Wärmetod“ der Erde bis zum Versinken des Kosmos im „Chaos“ reichte. Heute gilt es die Herausforderungen der Entropie anzunehmen und für ein zeitgenössisches Nachdenken über Energie fruchtbar zu machen.

Im Wissenschaftsjahr 2010 – Die Zukunft der Energie präsentieren zahlreiche internationale Künstler gemeinsam mit Natur- und Kulturwissenschaftlern vier Tage lang ihre Positionen zum Verschwinden, Verschwenden und Verwenden von energetischen Ressourcen. Das Festival ENTROPIA nach den gesellschaftlichen Chancen und ökologischen Konsequenzen von energetischen Transformationen. Dabei werden sowohl die Folgen als auch die Verheißungen des Entropischen in den Blick genommen:

Die Frage: Welche Konsequenzen ergeben sich für unser soziales und politisches Handeln, wenn der Umgang mit Energie stets irreversible Effekte generiert? wird im Rahmen einer interdisziplinären Konferenz mit Wissenschaftlern aus den Bereichen Ernährung, Infrastruktur und Konsumforschung diskutiert. Die hier versammelten Positionen verorten Energien als komplexe Systeme an der Schnittstelle von Mensch und Technik, und diskutieren die damit verbundenen Herausforderungen in den Bereichen Ernährung, Infrastruktur und Lebensstil.

Die Frage: Was geschieht, wenn die Merkmale der Entropie – Prozessualität, Chaos und Verschwendung – nicht als Bedrohung, sondern als integrale Bestandteile von Produktivität verstanden werden? beschreibt dagegen auf präzise Weise das Selbstverständnis und die Arbeitsweise zahlreicher Künstler. Ob es sich dabei um die Auflösung werkhafter Strukturen, die Inszenierung von chaotischen Zufällen oder die Arbeit an einem „energetischen Darstellerkörper“, handelt, stets eröffnet das Entropische ein Spiel mit den Grenzen von Effizienz und Kontrolle. Im Rahmen des Festivals findet am Samstag, den 13. November ab 17:30 Uhr der Themenabend KüNSTLERISCHE SZENARIEN DER ENERGIE statt, der den Zusammenhang von Theater und Energie befragt. In Vorträgen und einer Podiumsdiskussion führt die Frage nach den Körpertechniken, Wahrnehmungsmustern und kollektiven Übertragungen zu einer Bestimmung der Energie des Theaters.

In der Performance „Investment“ fragt Davis Freeman wie sich ein Lottogewinn nachhaltig investieren lässt, Prof. Dr. Michael Braungart denkt über 100% Recycling nach, die Gruppe Schwalbe bietet eine CO2-neutrale Performance an, Prof. Dr. Stephan Rammler entwirft unsere mobile Zukunft, Marijs Boulogne endoskopiert Zerfallsprozesse und Jörg Schiebe lernt zu verlieren.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Entropia ist eine Veranstaltung im Wissenschaftsjahr 2010 – Die Zukunft der Energie. Das Wissenschaftsjahr zeigt gemeinsam mit vielen Partnern aus Forschung, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur wie engagiert und kreativ zugleich Energieforscherinnen und -forscher an Lösungen für eine nachhaltige Energieversorgung arbeiten. Das Festival wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Daimler Benz Stiftung und der Schering Stiftung. Mit freundlicher Unterstützung des Institut Francais d'Allemagne / Théâtre et Danse, Culturesfrance und des französischen Ministeriums für Kultur und Kommunikation/DGCA.

Die Veranstaltung wird durchgeführt von KUNST-SToFF e. V. und prototypen-ausstellungen, kuratiert von Judica Albrecht, Nicola Schössler, Alexander Moers, Marcus Peter und Dr. Barbara Gronau.