FESTIVALERÖFFNUNG
ZUR FASZINATIONSGESCHICHTE DER ENTROPIE


© Marcus Berkmann | www.marcusberkmann.de

Einführungsvortrag von Prof. Dr. Elizabeth Neswald

Donnerstag, 11.11.2010 | 18.30 Uhr | SAAL
(Eintritt frei)

Henri Bergson nannte einmal den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik das metaphysischste aller Naturgesetze, weil er die Richtung der Zeit vorgibt. Was aber ist Entropie? Und vor allem, was bedeutet sie? Versuche, diese Fragen zu beantworten, regten wissenschaftliche, philosophische und kulturelle Debatten an, die vor allem eins deutlich machten: Das Konzept der Entropie zu interpretieren, hieß eine Weltdeutung vorzunehmen.

Obwohl Entropie zu einer der schwierigsten Konzepte der Physik gehört, übt der Entropiesatz daher seit seiner Formulierung in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts eine Faszinationskraft aus, die fast alle Bereiche des menschlichen Denkens berührt und bis ins einundzwanzigste Jahrhundert andauert. Dieser Vortrag bietet einen Überblick über die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Entropiesatzes und über die verschiedenen Richtungen des Denkens, mit denen die Thermodynamik – und insbesondere ihr zweiter Hauptsatz – interagiert, um der Faszinationsgeschichte dieses Satzes auf die Spur zu kommen.

Elizabeth R. Neswald ist Professorin für Wissenschafts- und Technologiegeschichte an der Brock University, Ontario (Kanada). Sie promovierte an der Humboldt Universität Berlin mit der Arbeit: „Thermodynamik als kultureller Kampfplatz. Zur Faszinationsgeschichte der Entropie 1850–1915“ (Freiburg 2006). Von 2003–2005 Postdoctoral Researcher am Centre for the Study of Human Settlement and Historical Change an der National University of Ireland, Galway und Lecturer für Wissenschaftsgeschichte an King's College, University of Aberdeen. Derzeit ist Prof. Dr. Neswald Visiting Scholar des Max Planck Instituts für Wissenschaftsgeschichte in Berlin.