GESPRÄCHSRUNDE „DIE ENERGIE DES THEATERS“


© www.maleva.de

Prof. Dr. Annemarie Matzke (She She Pop) | Christoph Winkler (Choreograph) | Susanne Sachsse (Schauspielerin und Sängerin) | Anne Tismer
Moderation: Dr. Barbara Gronau

Samstag, 13.11.2010 | 18.30 Uhr | SAAL
(Eintritt frei)

Die Frage: Was geschieht, wenn die Merkmale der Entropie – Prozessualität, Chaos und Verschwendung – nicht als Bedrohung, sondern als integrale Bestandteile von Produktivität verstanden werden? beschreibt auf präzise Weise das Selbstverständnis und die Arbeitsweise zahlreicher Künstler. Ob es sich dabei um die Auflösung werkhafter Strukturen, die Inszenierung von chaotischen Zufällen oder die Arbeit an einem „energetischen Darstellerkörper“, handelt, stets eröffnet das Entropische ein Spiel mit den Grenzen von Effizienz und Kontrolle.

Die Podiumsdiskussion zur „Energie des Theaters“ fragt nach den Körpertechniken, Wahrnehmungsmustern und kollektiven Übertragungen, die mit dem Begriff der Energie umschrieben werden. Was macht die Energie eines Darstellers aus? Wie wird sie wahrnehmbar? Gibt es energetische 'Übertragungen' in Performances? Resultiert künstlerische Energie aus Körpertraining? Ist jede Darstellung eine Arbeit am Verschwinden? Ist sie (Selbst)Verschwendung?

Prof. Dr. Annemarie Matzke ist Performance-Künstlerin und Theaterwissenschaftlerin. Sie ist Mitglied des Performance-Kollektivs She She Pop und Professorin für experimentelle Formen des Gegenwartstheaters an die Universität Hildesheim. Sie hat in Gießen Angewandte Theaterwissenschaft studiert und an der Universität Hildesheim über Formen der Selbst-Inszenierung promoviert. Bis 2009 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Freien Universität Berlin. Zahlreiche Inszenierungen u.a. am Hebbel am Ufer, Kampnagel Hamburg, Forum Freies Theater Düsseldorf. Ihre wissenschaftlichen Forschungsgebiete sind Praxis und Theorie des Gegenwartstheaters, Schauspieltheorien, Probenprozesse und theatrale Raumkonzepte.

Anne Tismer ist Schauspielerin und Aktionskünstlerin. Sie studierte am Max Reinhard Seminar in Wien und war danach an Theatern in Bonn, Freiburg, Stuttgart und Berlin engagiert. Für ihre Darstellung von Ibsens „Nora“ in der Regie Thomas Ostermeiers an der Schaubühne wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Seit 2003 entwickelt Tismer eigene Kunstaktionen. Mit der Performerin Rahel Savoldelli gründete sie 2005 am Ballhaus Ost das Kollektiv Gutestun und arbeitet regelmäßig mit einem Künstlerkollektiv in Togo. Im März 2010 zeigte sie ihre erste Einzelausstellung im Neuen Aachener Kunstverein und entwickelte mit Aachener Bewohnern die Aktion „der falsche tag“.

Christoph Winkler ist Choreograph und arbeitet seit 1998 freischaffend in Berlin. Nach seinem Studium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ war er artist in residence an der Tanzfabrik Berlin und in Nancy (F). Die 2007 von ihm gegründete Agentur für zeitgenössischen GoGo Tanz: BERLIN GOGOS läuft seit ihrer Gründung international in verschiedenen Formaten. In seiner aktuellen Produktion „Taking Steps“ setzt sich Christoph Winkler mit dem von der UNESCO und der OECD initiierten Programm „Lifelong Learning“ auseinander und wendet sie auf die tägliche Praxis des Tänzers an: Wie findet Lernen im Tanz statt und wo spiegelt sich ökonomische Bedingtheit in der täglichen Praxis wider? Wenn der Körper das Instrument des Tänzers ist und wir alle zu Humankapital werden, was wird dann gespielt?

Susanne Sachsse ist Schauspielerin, Regisseurin, Performerin und Installationskünstlerin. Als Schauspielerin wirkte sie u. a. in Arbeiten von Heiner Müller, Milan Peschel, Einar Schleef und Barbara Weber mit. Zusammenarbeit an Videos, Performances und Installationen von Yael Bartana, Keren Cytter, Bruce LaBruce und Katya Sander. Filmauftritte u. a. in Bruce LaBruces „The Raspberry Reich“ (2004) und „Otto, or Up With Dead People“ (2008). Susanne Sachsse ist Mitbegründerin des Künstlerkollektivs CHEAP, der Band RUTH FISCHER und war Co-Kuratorin von LIVE FILM! JACK SMITH! im Arsenal – Insitut für Film und Video Art/HAU, 2009.

Barbara Gronau (Moderation) ist Theaterwissenschaftlerin und Kuratorin. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin und promovierte am Sonderforschungsbereich „Kulturen des Performativen“ mit der Arbeit „Theaterinstallationen. Performative Räume bei Beuys, Boltanski und Kabakov“ (München 2010). Daneben arbeitete sie als Dramaturgin an verschiedenen deutschsprachigen Theatern und als Kuratorin der Festivals „Poker im Osten“ (2005) und „Palast der Projekte – zum Verhältnis von Theater und Ökonomie“ (2008) im Hebbel-am-Ufer Berlin.