DENN SIE TUN NICHT WAS SIE WISSEN


© prototypen-ausstellungen

Dr. Fritz Reusswig | Prof. Dr. Michael Braungart | Moderation: Marcus Peter

Samstag, 13.11.2010 | 14.15 Uhr | SAAL
(Konferenzeintritt: 8/5 €)

Die Natur geht verschwenderisch mit ihren Ressourcen um. Daher könnte man die Bevölkerungsexplosion und den unnachhaltigen Umgang mit Energie auch als natürlich ansehen. Allerdings zerstört die Natur ihre Ressourcen nicht, sondern ordnet sie einem ewigen Kreislauf ein. Der Mensch hat die Fähigkeit, diese Zusammenhänge zu verstehen und könnte dementsprechend vorausschauend reagieren und einen anderen Umgang mit Energie entwickeln. Warum tut er es nicht?

Ökonomen, Ingenieure und Politiker erwecken den Eindruck, der erforderliche Umbau des Energiesystems sei rein technischer Natur. Ein Blick in die Technikgeschichte zeigt aber, dass sich umfassende Paradigmen- oder Pfadwechsel nie einfach nur als technische Umstellungen durchgesetzt haben, sie waren stets begleitet von Änderungen der Lebensstile. Eine post-fossile Gesellschaft ist daher nicht allein durch den Einsatz von Technologie zu erreichen, implizit sind auch Änderungen des Lebensstils und der Konsummuster notwendig.

Eine Umstellung auf nachhaltige und emissionsarme Landwirtschaft ist mit veränderten Ernährungsgewohnheiten verbunden; ökologisches und energiereduziertes Bauen geht nicht ohne veränderte Wohnideale, ein verändertes Verkehrssystem setzt auch eine veränderte Haltung zum Auto voraus. Bisher wird die Änderung des Lebensstils in Richtung Nachhaltigkeit meist als defizitär und mit einem Rückschritt in Sachen Lebensqualität verbunden. Die entscheidende Frage: Brauchen wir überhaupt so viel Energie – und wozu? wird dabei meist nicht gestellt.

Dr. Fritz Reusswig ist Leiter der Konsum- und Lebensstilforschung am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Er studierte Soziologie und Philosophie und untersucht aktuell die neuere Entwicklung des Klimadiskurses, die Rolle von Städten bei einer integrierten Klimaschutzpolitik sowie die Einführung von Experimenten des Klimaschutzes. Er ist Co-Autor des Buchs „Changing global lifestyle and consumption patterns: The case of energy and food“ (2005).

Prof. Dr. Michael Braungart ist Professor für Verfahrenstechnik an der Universität Lüneburg, Geschäftsführer der Environmental Protection Encouragement Agency (EPEA) in Hamburg und wissenschaftlicher Leiter des Hamburger Umweltinstituts e. V. Er studierte Chemie und ist Co-Autor des Buchs „Cradle to Cradle. Remaking the Way We Make Things“ (2002).

Marcus Peter (Moderation) ist Co-Kurator der Ausstellung „Energie = Arbeit“, die parallel zum Festival Entropia im Max Liebermann-Haus in Berlin stattfindet. Er studierte Kulturwissenschaften und ist Mitbegründer der Ausstellungsagentur prototypen.